Brustkrebsmonat Oktober: Wo erhalte ich kompetente Beratung?

«In unserer Beratung helfen wir Ihnen, Ihre innere Stärke zu aktivieren, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und neue Ziele zu definieren. Wir sind für Sie da!»»

Dr. med. Barbara Zeyen, Psychoonkologin, Leiterin Brust- und Tumorzentrum

Eine umfassende Betreuung und Beratung ist für Brustkrebspatientinnen essentiell. Das Vertrauen, sich in guten Händen zu befinden hat einen entscheidenden Einfluss auf den Therapieerfolg. Neben der interdisziplinären medizinischen Versorgung bietet das zertifizierte Brustzentrum am Inselspital diverse begleitende Angebote, welche die Patientinnen beim Umgang mit der Krankheit unterstützen. Was steckt hinter diesen Worten? Was ist ein Tumorboard? Welche Aufgaben erfüllt eine Breast & Cancer Care Nurse? Hier erfahren Sie mehr.

Interdisziplinäre Tumorboards

Das Tumorboard stellt sicher, dass unsere Spezialistinnen und Spezialisten aus den verschiedenen Fachbereichen der Behandlung und Diagnostik Hand in Hand zusammenarbeiten. Gemeinsam diskutieren sie das Krankheitsbild jeder einzelnen Patientin. Die Patientin steht im Zentrum und die Behandlung wird an die individuelle Krankheitssituation und die persönlichen Bedürfnisse angepasst. Das geballte, fachübergreifende Knowhow bietet die Chance für neue Ansätze und bessere Behandlungsergebnisse. Vom Tumorboard profitieren nicht nur Patientinnen des Inselspitals. Das UCI Brustzentrum ist offen für aktenkonsiliarische Anfragen anderer Ärzte oder Spitäler und Zweitmeinungen.

Die Breast & Cancer Care Nurse

Bereits bei der Besprechung der Diagnose werden unsere Patientinnen von einer Breast & Cancer Care Nurse begleitet. Ihre Unterstützung dauert von diesem Moment an kontinuierlich über den gesamten Behandlungszeitraum, bis in der Phase danach.

Die Breast & Cancer Care Nurse steht den Patientinnen in folgenden Punkten zur Seite:

  • Informieren und beantworten offener Fragen
  • Unterstützen im Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Veränderungen
  • Hilfe zur Selbsthilfe
  • Begleiten zu ärztlichen Gesprächen, falls erwünscht
  • Vermitteln und organisieren der Behandlungstermine
  • Prothesenberatung
  • Beratung zum Haarersatz

Im Radiobeitrag der Sendung «Treffpunkt» von SRF1 berichtet Monika Biedermann, seit vielen Jahren Breast & Cancer Care Nurse am Brustzentrum der Frauenklinik, welche Bedürfnisse Frauen haben und wie sie sie begleitet.

Psychoonkologie

Eine Krebsdiagnose hat immer auch Auswirkungen auf das seelische Befinden. Veränderungen des Körpers, Probleme in der Partnerschaft oder mit der Sexualität, Anforderungen durch die Arbeit oder durch die Familie und darüber hinaus Müdigkeit, Schmerzen, depressive Verstimmungen und Ängste – all das stellt viele Frauen vor scheinbar unüberwindbare Hürden.

Die Psychoonkologinnen stehen zur Seite, wenn die Belastung zu gross wird – besser noch, früher.

Im Rahmen der Psychoonkologie bildet die Hypnotherapie von Dr. med. Barbara Zeyen bei Bedarf ein weiteres, ergänzendes Behandlungselement.

Die Psychoonkologische Beratung und Behandlung steht, sowohl Patientinnen des Inselspitals, als auch externen Patientinnen auf Anmeldung durch ihre betreuende Ärztin zur Verfügung.

Komplementärmedizin

Die Ärztinnen und Ärzte des Brustzentrums sind gegenüber der Komplementärmedizin aufgeschlossen. Daher arbeiten das Institut für Komplementäre und integrative Medizin (IKIM) und das Brustzentrum eng zusammen. Das IKIM als universitäre Einrichtung vereint konventionelle und Komplementärmedizin in der Patientenbetreuung, Forschung und Lehre. Das IKIM bietet ärztliche Behandlungen und Beratungen in folgenden Fachrichtungen an:

  • Anthroposophisch erweiterte Medizin
  • Klassische Homöopathie
  • Traditionelle Chinesische Medizin/Akupunktur
  • Neuraltherapie

Die Betreuung von Patientinnen des Brustzentrums umfasst ausserdem Angebote im Bereich Bewegung und Sport sowie Ernährung. Mehr dazu im nächsten und letzten Teil unserer Serie im Rahmen des Brustkrebsmonats 2020.

Brustkrebsmonat Oktober: Wie sorge ich vor?

«Der beste Schutz ist eine frühe Erkennung! Lassen Sie uns gemeinsam gegen Brustkrebs kämpfen. Wir sind für Sie da!»

PD Dr. med. Claudia Rauh, Leiterin Senologie, UCI Brustzentrum

Das Risiko einer Frau, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, liegt bei fast 13 Prozent. Noch immer ist diese Erkrankung die häufigste Todesursache bei Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren.

Wichtig zu wissen: Brustkrebs der frühzeitig erkannt wird, hat in der Regel gute Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung. Früherkennung lohnt sich. Sorgen Sie sich nicht, aber tragen Sie sich Sorge. Wir nennen Ihnen vier Tipps, die bei der Brustkrebsvorsorge hilfreich sind:

  1. Risikofaktoren
    Das Einschätzen der eigenen Risikofaktoren ist für die Früherkennung hilfreich. Besprechen Sie diese mit Ihrem Hausarzt und Frauenarzt. So können regelmässige Routine-Untersuchungen optimal auf Sie abgestimmt werden. Folgende Risikofaktoren spielen eine Rolle:

    • Geschlecht und Alter
      Frauen haben ein viel höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken als Männer. In der Schweiz erkranken jährlich ca. 6 200 Frauen und 50 Männer. 75% der Frauen sind bei der Diagnose über 50 Jahre alt.
    • Erbliche Vorbelastung
      Befinden sich in Ihrer Familie (Grossmutter, Mutter, Schwester, Tochter) Brustkrebspatientinnen? Falls ja, informieren Sie Ihren Hausarzt/Ihre Hausärztin darüber. Am Inselspital beraten wir Sie gerne, ob eine genetische Abklärung (Gentest) sinnvoll ist und welche individuelle Vorsorge geeignet erscheint.
    • Nikotin und Alkohol
      Der Verzicht auf Alkohol und Nikotin vermindern das Brustkrebsrisiko. Es ist ratsam den Konsum zu minimieren oder komplett einzustellen (insbesondere bei Nikotin).

    Am Inselspital bieten wir Ihnen, bei Bedarf, eine ausführliche Risiko- und Präventionssprechstunde an. Diese Beratung beinhaltet mehrere Sitzungen und wird von der Grundversicherung übernommen.

  1. Selbstabtastung
    Kontrollieren Sie Ihre Brust regelmässig auf Veränderungen. Bemerken Sie einen Knoten, Einziehung, blutige Sekretion? Haben Sie Schmerzen? Konsultieren Sie bei Unsicherheiten oder Veränderungen auf jeden Fall Ihren Hausarzt/Ihre Hausärztin oder vereinbaren Sie einen Termin in unserer Brustsprechstunde.

    Wichtig: Leider gibt es Tumoren, die sich nicht ertasten lassen. Die Selbstabtastung ersetzt deshalb die Teilnahme an einem kantonalen Mammografie-Screening-Programm über das qualitätskontrollierte donna-Programm nicht. Diese empfiehlt sich für Frauen ab 50 Jahren.

  1. Der abklärungsbedürftige Befund
    Besteht ein Verdacht auf Brustkrebs oder Symptome in Form von Schmerzen oder Sekretion an, bieten sich zur weiterführenden Abklärung folgende Untersuchungsmöglichkeiten an:

    • Ultraschall
      Um unsere Patientinnen und Patienten vor unnötigen Strahlen zu schützen, wird nach einer erkannten Veränderung der Brust, oft zuerst eine Untersuchung mittels Handultraschall durchgeführt.
    • Invenia ABUS (automated breast ultrasound)
      In speziellen Situationen kommt das Invenia ABUS ergänzend zum Einsatz. Hier handelt es sich ebenfalls um eine Untersuchung mittels Ultraschall.
    • Mammographie
      Als weitere Diagnostik wird die Mammographie eingesetzt. Die Untersuchung mittels Röntgenstrahlen dauert nur wenige Sekunden und findet im Stehen statt. Dabei wird die Brust zusammengedrückt, was entgegen vieler Befürchtungen keine Schmerzen, sondern eher einen etwas ungewohnten Druck verursachen kann.

  1. Vorbeugen mit Bewegung und gesunder Ernährung
    Der letzte Punkt der Vorsorge möchten wir dem Thema Bewegung und Ernährung widmen. Wie fast überall, haben die beiden Themen einen grossen Einfluss auf die allgemeine Gesundheit, auch die Ihrer Brust. Schliesslich ist es auch unser Wunsch, dass Sie gar nicht erst an Brustkrebs erkranken.

    Wir werden im letzten Beitrag der Serie auf dieses Thema eingehen.

Brustkrebsmonat Oktober: Weshalb ist Solidarität so wichtig?

Plötzlich ist alles anders... Die Diagnose Brustkrebs kann das Leben von Patientinnen und seltener auch Patienten auf den Kopf stellen. Wie fühlt es sich wirklich an, wenn sich jemand in dieser Situation befindet? Was bedeutet die Diagnose für Angehörige und Freunde? Und inwiefern können Solidarität, Liebe und Mitgefühl den Leidensweg erheblich verbessern?

Judith Safford (60), engagierte Geschäftsfrau, begeisterte Bergsteigerin und Brustkrebspatientin, teilt ihre wertvolle Erfahrung. 

Frau Safford, Sie erhielten die Diagnose Brustkrebs im Jahr 2019. Wie war dieser Moment für Sie und welche Gefühle hat sie in Ihnen ausgelöst?

Judith Safford: Ich bat darum, die Diagnose nicht per Brief, sondern telefonisch zu erhalten. Der Anruf kam am frühen Abend. Als mein Telefon klingelte, war ich in einem Park in Bern, wo ich meine Tochter zu einem Picknick getroffen hatte. Nach der Begrüssung sagte mir die Ärztin, wer sie sei. Dann führte sie das Gespräch mit «Leider...» fort. Dieses Wort war alles, was ich wirklich aufnehmen konnte und es war mir klar, was es bedeutete. Ich verfiel in einen Schockzustand, der sich wie ein Überlebensmodus anfühlte. Dabei war es schwierig, Einzelheiten zu verstehen, darauf zu reagieren oder mir zu merken, wie und wann die Behandlung ablaufen würde. Ich weiss nicht mehr, wie der Anruf endete, aber ich fragte mich anschliessend, was ich meiner Tochter sagen würde und ob wir noch einen schönen Abend miteinander verbringen könnten.

Wir sprechen von Solidarität. Welche Gesten oder Handlungen vom medizinischen Personal oder aus Ihrem Umfeld haben Ihnen besonders gutgetan?

Judith Safford: Ich nehme Medikamente gegen eine andere Erkrankung ein. Die Empfehlung lautete, diese Behandlung nach einer Krebsdiagnose abzubrechen. Daraus ergab sich für mich ein grosses Dilemma. Eine Ärztin nahm sich Zeit, um sich über das Thema zu informieren und unterstützte mich mit Informationen und Ratschlägen. Das war so hilfreich – von unschätzbarem Wert für mich. Zudem nahmen sich viele Freundinnen und Freunde Zeit für mich, schenkten mir etwas oder unterstützten mich anderweitig. Das ist sehr wichtig in der Zeit vor der Operation, aber auch während und in den Monaten nach der Behandlung.

Oft sind Menschen mit schwierigen und traurigen Themen überfordert. Was würden Sie diesen Menschen raten zu tun oder zu lassen, wenn sie mit einer an Brustkrebs erkrankten Person konfrontiert werden?

Judith Safford: Ich verstehe, dass einige Leute nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Und es gab bei mir in der Tat einige Verlegenheits-Reaktionen, wie zum Beispiel: «Oh, meine Mutter ist daran gestorben!» oder: «Oh je, du bist eine Arme!» Ich fand beides nicht sehr hilfreich. Überraschend viele Frauen erzählten mir, dass sie selber einige Zeit zuvor an Brustkrebs erkrankt waren, aber jetzt alles wieder gut sei. So wurde mir klar, dass Brustkrebs recht häufig vorkommt. Es ist aber ein Tabuthema, über das Frauen nicht proaktiv sprechen. In dem Dorf, in dem ich lebe, haben mich einige Leute scheinbar gemieden. Sicher lag es nur daran, dass sie nicht wussten, was sie sagen sollten, und nicht daran, dass es ihnen egal war. Vielleicht hatten sie persönliche Erfahrungen gemacht, die ihre Reaktion beeinflussten. Im Allgemeinen würde ich sagen, dass ich mich durch das Schweigen mit meiner Diagnose allein gelassen fühlte. Erst wenn Menschen ihr Mitgefühl ausdrückten, mich aber fragten, ob ich überhaupt darüber sprechen wolle oder nicht, fühlte ich Solidarität. Die Freiheit zu haben, mich selber zu entscheiden, war sehr hilfreich. Ich glaube, dass das Stärkste im Gesundheitswesen Liebe und Mitgefühl ist, und das kann jede und jeder geben. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, das zu tun, auch wenn es nur ein Telefonanruf oder eine Karte ist.

Angehörige leiden mit, fühlen sich ohnmächtig und werden von der Aussenwelt manchmal vergessen. Wie ist Ihr Umfeld mit Ihrer Erkrankung umgegangen? Haben Sie Tipps, die bei der Bewältigung dieser schwierigen Situation, in der beide Parteien leiden, geholfen haben?

Judith Safford: Meine Familie hat mich sehr unterstützt. Alle waren optimistisch, dass es gut ausgehen würde. In meinem Fall war es auch so. Aber natürlich gibt es auch andere Verläufe und ich glaube, dass die Gesellschaft und das Gesundheitssystem besser erkennen müssen, dass nahestehende Personen aus den von Ihnen genannten Gründen möglicherweise ebenso viel Unterstützung brauchen wie Patientinnen und Patienten. Wenn dies erkannt wird, dann wird es in Zukunft auch für nahe Angehörige leichter sein, Hilfe zu bekommen.

Der Oktober steht im Zeichen des Brustkrebses. Gibt es etwas, das Sie anderen Brustkrebspatientinnen mit auf den Weg geben möchten?

Judith Safford: Wahrscheinlich hat jede Patientin und jeder Patient Fragen. Ich möchte sie ermutigen, diese zu stellen um die Antworten zu erhalten, die sie brauchen. Nutzen Sie die Dienstleistungen, die Brustkrebspatientinnen und -patienten zur Verfügung stehen. Damit meine ich neben der Unterstützung zur Behandlung, psychosoziale und andere Themen. Viele Spitäler, aber auch Patientenverbände, bieten ein sehr gutes Angebot. Das Wichtigste: Nehmen Sie zu den Konsultationen jemanden mit, der Sie dabei unterstützt, die Diagnose und Behandlung zu verstehen und offene Fragen zu stellen. Diese Person kann die Antworten für Sie notieren, denn wahrscheinlich werden Sie die Informationen selbst nicht aufnehmen können. Ich dachte zuerst, ich käme allein zurecht, aber ich war zu traumatisiert, um das Meiste, was mir gesagt wurde, zu verstehen. Darum war ich sehr froh, dass meine Freundin mithören und alles aufschreiben konnte!

Ein herzliches Dankeschön für die Zeit und Ihre offenen Worte, Frau Safford. Wir wünschen Ihnen auf Ihrem weiteren Weg alles Gute.

Links zu unterstützenden Begleitangeboten des UCI Brustzentrums für Patientinnen, Patienten und Angehörige: